Freitag, 9. Februar 2018

Warum ich mich einsetze



Im Kunstunterricht in der 6. Klasse mussten wir ein Protestplakat gegen Massenhaltung von Hühnern gestalten. Entsprechend der Vorbesprechungen schrieb ich auf mein Plakat ‚keine Hühner-Kazetts‘. Ich wurde von ein oder zwei Mitschülern ausgelacht. Ich hatte vorher noch nie von einem KZ gehört - das waren die 70er Jahre, als die intensivere Aufarbeitung des Nationalsozialismus erst losging - wusste nicht, wie man das schreibt. Aber das Lachen hat mich damals furchtbar beschämt. Kurze Zeit später sah ich das Theaterstück über das Tagebuch der Anne Frank auf einer kleinen Karlsruher Bühne. Danach habe ich mich intensiv über den Nationalsozialismus und seine Auswirkungen informiert, zuerst in Form von (Auto-)Biografien, später als Schülerin im Geschichte-Leistungskurs, und auch die ursprüngliche Wahl meiner Studienfächer, in der Geschichte als 2. Nebenfach auftauchte, hatte damit noch zu tun.
Die Vorstellung, dass im Namen des Volkes, dem ich durch Geburt angehöre, viele Millionen Menschen auf die unterschiedlichsten grausamen Arten umgebracht wurden, war mir damals und ist mir auch heute noch eine Unvorstellbarkeit. Erschütternd war die Erkenntnis, wie viele Menschen einfach mitgemacht haben, sich nicht dagegen aufgelehnt haben. Am schlimmsten allerdings fand ich, zu hören, dass es immer wieder Leute gab, die sagten ‚ich habe davon nichts gewusst‘.
Für mich war ein ‚nie wieder!‘ immer der wichtigste Auftrag, den wir aus der deutschen Geschichte übernommen haben. Und dieses ‚nie wieder!‘ beinhaltet für mich auch, frühzeitig gegen mögliche Fehlentwicklungen vorzugehen.
Als die Flüchtlinge des Jugoslawienkrieges kamen, war ich noch nicht so weit, dass ich mich engagieren konnte. Aber nachdem die EU den Nobelpreis für Menschenrechte bekommen hatte, für die angeblich so vorteilhafte und ruhmreiche Art und Weise mit Flüchtlingen umzugehen, und kurz danach wurde das sogenannte Dublin-III-Abkommen verabschiedet - da wuchs in mir die Bereitschaft. Ein Abkommen, in dem vereinbart wird, dass Flüchtlinge in dem Land politisches Asyl beantragen müssen, in welchem sie zuerst europäischen Boden betreten, bürdet den Großteil der Last den Außenstaaten auf, denn die wenigsten Flüchtlinge kommen mit dem Flugzeug. Die reicheren Länder halten sich das Thema auf diese Art vom Leib - oder wollen dies zumindest erreichen. Dann kamen Bürgerkriegsflüchtlinge aus Syrien, ‚gute‘ Flüchtlinge, denn die hatten ja einen echten Grund, Krieg, und konnten politisches Asyl beantragen, sogar mit einiger Aussicht auf Erfolg. Trotzdem sollten sie massenweise in die Staaten zurückgeschoben werden, in denen zuerst ihre Fingerabdrücke genommen wurden. In Länder, in denen sie in Gefängnisse gesteckt und den Erzählungen Betroffener nach alles andere als menschlich behandelt wurden. Damit fing dann mein persönliches Engagement an - ich wollte mich dafür einsetzen, dass so ein organisatorischer Quatsch und so eine unwürdige Art, das ‚Problem‘ innerhalb Europas hin und her zu schieben, aufhört, und man endlich anfängt, diese Menschen als Menschen zu sehen und zu behandeln.
Seitdem ist viel passiert.
Es hieß mal „Wir schaffen das!“, und die Welle der Hilfs- und Aufnahmebereitschaft in der Bevölkerung war groß. Syrer haben es relativ einfach, Anerkennung oder wenigstens subsidiären Schutz zu bekommen, aber dafür haben sich die Absurditäten im Asylbereich in andere Bereiche verlagert. Man fragt sich, wer auf solche Ideen kommt, mit denen (vom Sozialministerium) Arbeitsverbote ausgesprochen werden für Leute, die gerade eine vom Kultusministerium desselben Bundeslandes geförderte Vorbereitungsklasse durchlaufen haben. Handwerksbetriebe, die händeringend nach Auszubildenden suchen, kriegen die Arbeitsgenehmigungen für die Leute, die sie sich ausgesucht und die in einem Praktikum ihre Tauglichkeit für diesen Beruf unter Beweis gestellt haben, nicht erteilt, weil diese aus ‚sicheren Herkunftsstaaten‘ kommen; stattdessen wird den Betrieben von der Ausländerbehörde der schlaue Ratschlag erteilt, sich doch einen anerkannten Asylbewerber zu suchen. In Deutschland werden Lager gebaut, die zwar nicht Konzentrationslager genannt werden, und vielleicht nicht direkt mit denen aus Zeiten des Nationalsozialismus verglichen werden können, aber es sind Lager, und darin werden Leute ‚bis zur Abschiebung‘ festgehalten. Das ist keine menschenwürdige Behandlung, und es widerstrebt meinem Gerechtigkeitsempfinden, meinem Bewusstsein, dass Deutschland durch seine historische Schuld eine besondere Verantwortung dafür hat, Flüchtlinge gut zu behandeln. 
Hier im Landkreis werden immer wieder Senegalesen nach Polizeikontrollen (oder auch ohne) mit Strafbescheiden beehrt wegen illegalen Aufenthaltes nach Ablehnung ihres Asylantrages. Die Strafen werden willkürlich festgelegt, schwanken zwischen €400 und €1300 Euro, und wenn man nicht dagegen Einspruch erhebt, gelten die Betroffenen danach als vorbestraft. Das sind dann die ‚Straftäter‘, die in Abschiebemaschinen gesetzt werden sollen. Wenn sie Einspruch erheben, kann es sein, dass sie freigesprochen werden, dann haben sie aber vielleicht Anwaltskosten zu begleichen, die sich auf Summen belaufen, die genauso hoch sind, wie die Strafbescheidskosten gewesen wären. Oder die Staatsanwaltschaft legt Berufung ein, weil sie, obwohl der Richter der ersten Instanz eine ausreichende Mitwirkung bei der Identitätsfeststellung gesehen hat, es für zumutbar hält, weitere Anstrengungen bei der Passbeschaffung zu unternehmen. 
Da wird argumentiert, als ob die afrikanischen Länder genauso behördlich organisiert sind wie Deutschland, und Aussagen von deutschen Experten, die angeblich 20 Jahre dort im Land gelebt haben, aber nicht mal die gängige Landessprache sprechen, gelten mehr als die Aussagen der Flüchtlinge, die beschreiben, dass die verlangten Schritte nur über Bestechungsaktivitäten zu erreichen sind. Die Staatsanwaltschaft verlangt also, dass eine Dokumentenbeschaffung über illegale Methoden (Bestechung ist auch im Senegal gesetzlich verboten) zu versuchen sei - noch habe ich von keinem erfolgreichen Versuch dieser Art erfahren - aber ich frage mich, ob die Betroffenen dann wegen illegaler Beschaffung von Dokumenten oder Dokumentenfälschung angeklagt werden sollen. In das weite Thema der Taskira-Beschaffung von Afghanen will ich hier gar nicht einsteigen.

Vor zwei Wochen fiel mir nun das Buch „Das Erbe der Rosenthals“ von Armando Lucas Correa in die Hände, in dem ein Erzählstrang vom Schiff St. Louis handelt, das mit fast 1000 jüdischen Flüchtlingen an Bord von der Regierung von Kuba am Anlegen gehindert wurde, die Flüchtlinge mussten zurück nach Europa, obwohl fast alle ein gültiges Einreisevisum in die USA besaßen und nur eine kurze Zeit auf Kuba warten wollten, bis ihre Einreisenummer an der Reihe war. Dass damals so gehandelt wurde, haben die offiziellen Seiten mittlerweile alle bedauert, ihr Mitgefühl für die Opfer ausgedrückt - und das wiederum ist nun noch nicht so lange her. Allerdings war es lange her, dass die Opfer darunter gelitten hatten. Jetzt haben wir ähnliche Situationen, überall auf der Welt. Und versuchen doch immer wieder nur, durch Mauern, Abschiebungen, Verhinderungen Veränderungen aufzuhalten, die die westlichen Staaten in vielen Fällen mit zu verantworten haben. 
Haben wir wirklich nichts kapiert? Jedenfalls möchte ich aber nicht in ein paar Jahren zu denen gehören, die sagen ‚ich habe nichts gewusst‘. Wir alle können es wissen, wir haben genügend historische Beispiele. Vielleicht werde ich mein persönliches Ziel nicht erreichen, Staatslinien und ihre ausführenden Organe sind stark. Und meine Kraft ist endlich, auch wenn ich immer wieder neue Kampfeskraft entwickle und mich manchmal selbst frage, woher die eigentlich noch kommt. Aber ich möchte mir selbst später noch im Spiegel ins Gesicht sehen können und sagen ‚ich habe getan, was ich konnte, um diesen Menschen in ihrer Zeit hier beizustehen soweit es irgendwie möglich ist‘. 


Mittwoch, 31. Januar 2018

Senile Bettflucht macht's möglich...

Am vergangenen Wochenende war wieder die Sitzung des erweiterten Vorstandes der Patchworkgilde Deutschland e.V.  Als International Repräsentantin habe ich ein bestimmtes Budget, mit dem ich diverse Aktivitäten finanzieren kann. Leider habe ich ein ganz schlechtes Abrechnungsverhalten. (Ich weiß schon, warum ich nicht Buchhalterin oder Steuerberaterin geworden bin.) Das schadet zwar nur mir, dem Verein nützt es - aber irgendwie ärgerlich ist es für mich ja doch. Die nette Schatzmeisterin hat mir nun nicht die Pistole auf die Brust gesetzt, aber doch die 'Schließung der Kasse fpr 2017' angedroht. Heute war wieder frühes Aufstehen angesagt, und nachdem ich gestern nachmittag den Beleg für den Flug nach Birmingham im August (jaaaa.... ganz schlechtes Gewissen!) nicht gefunden hatte, habe ich diese gewonnenen Stunde im Tagesablauf genutzt. Und bin dann sogar tatsächlich fündig geworden. Der Schreibtisch sieht etwas besser aus - wenn auch noch nicht wirklich gut, aber die benutzbare Fläche ist etwas größer geworden - und es waren letztendlich vermutlich die bestbezahlten Arbeitsstunden meines Lebens, jedenfalls bisher. Nun kann ich die Abrechnung heute doch noch fertig machen.

Reflektion im Italienischen Schnellrestaurant -
das Essen war zwar eher nur billig, aber die Reflektion ist schön.

Ansonsten war das Wochenende von vielen Sitzungen geprägt, aber nebenbei wurde gestichelt.

Der Vorstand macht Blöcke für das 70,273 Projekt

Bea Galler hat einen mit Binding und Tunnel versehen,
jetzt muss ich die Nummer erteilen
.
 .

Nach dem Meeting bin ich noch ein Stück nach Westen gefahren und habe mir bei Freunden in Aachen kurz den dortigen Himmel angeschaut.

Da hinten fängt dann bald Holland an.

Von ihnen hörte ich, dass es sich angeblich diesmal um den dunkelsten Winter seit Beginn der entsprechenden Aufzeichnung, nämlich 1952 handelt. Das kann ich zwar nicht objektiv, aber doch auch subjektiv bestätigen. So richtig toll war der Winter hier ja auch nicht, aus Sicht der erhaltenen Lichtmenge betrachtet. Dafür bin ich allerdings erstaunlich gut durchgekommen...

Auf der langen Heimfahrt im Zug dann Fortsetzung am Daily Art Projekt, "A Scrap a Day", und weitere Reihen am Rand meines modularen Schals, der sich der Vollendung nähert.




Und heute muss ich mich entscheiden - will ich dieses Jahr bei den Journal Quilts der Contemporary Group der Britischen Gilde mitmachen, oder habe ich genug an der Backe...? Bei Chris in England habe ich ein Stück gemacht, das sich sehr gut in 12 Teile teilen und verwenden ließe. Ich habe bis heute Abend Zeit.

Freitag, 19. Januar 2018

Eine Woche in England

Mein Sohn ist mit seiner Schulklasse für ein paar Tage auf Skilager, meine Deutsch-Klasse ist für zwei Wochen im Praktikum, und das war eine gute Gelegenheit, um die Einladung meiner früheren SAQA-Co-Repräsentantin Chrisse Seager anzunehmen. Am Montag bin ich ganz früh aufgestanden, zum Flughafen gefahren, und seitdem in Wiltshire.
Wieder lerne ich Neues über England, hier zum Beispiel über das ausgedehnte Kanalsystem, denn Chrisse und ihr Mann wohnen direkt an einem Kanal, besitzen auch ein Boot, das allerdings gerade irgendwo anders im Land überwintert.



Neben dem geselligen Aspekt war eines der Hauptanliegen des Besuches das gemeinsame Drucken, und ich darf in Chrisses Werkstatt wüten. Steile Lernkurve über Breakdown Printing! Zum Beispiel fand ich diese Ansicht des Siebs besonders schön, aber natürlich sieht der Druck darunter auf dem Stoff ganz anders aus. Auch schön, aber eben nicht so.



Wieviel verdickte Paste darf man auftragen, damit sie gleichmäßig trocknet? Hier wird nach schon längerem Warten ein bisschen mit dem Fön nachgeholfen.


Welche Gegenstände sind wirklich geeignet, um ein interessantes Bild auf dem Sieb zu hinterlassen?


Diese Holzstäbchen schienen ein interessantes Muster zu ergeben, aber natürlich hatte ich nicht daran gedacht, dass das Holz die Feuchtigkeit aus der Paste aufsaugen und sich ein bisschen Klebermäßig mit der Paste verbinden würde. Sehr schwierig, das Ganze zu trennen, ohne das Sieb zu beschädigen!


Daneben kleine Ausflüge, zum Beispiel ins Café "Sticks and Stones". Sehr nette Atmosphäre, und im Winter nicht viel los.









Samstag, 13. Januar 2018

Brandaktuell: "Dahoam" bei quilt et textilkunst München

Am 8. Januar wurde in der Galerie bei quilt et textilkunst in München die Ausstellung 'dahoam' eröffnet. Es waren Mitglieder der Patchworkgilde Deutschland e.V. aus der Region 'Niederbayern, Oberbayern' eingeladen gewesen, ihre textile Interpretation dieses Begriffes einzureichen.
Ich muss ehrlich gestehen, dass ich, als die Regionalvertreterin Marion Caspers mich fragte, ob ich mitmachen würde, erstmal nur halb begeistert war. Noch ein Projekt - für die Patchworktage hatte ich ja schon einen Quilt für 'Yes, we can quilt' gemacht, außerdem immer so viel um die Ohren, und das war nun so gar nicht mein Thema, auf Anhieb jedenfalls.

Dann habe ich mich allerdings doch ernsthafter mit Überlegungen zu dem Thema 'wie kann ich mein gespaltenes Verhältnis zu dem Begriff 'Heimat' textil umsetzen' beschäftigt. Mein Verhältnis dazu ist gespalten, weil ich selbst, für mich, nicht das Gefühl habe, irgendwo eine echte Heimat zu haben. Zwar ist ein Vertraut-sein in der Umgebung, wo ich groß geworden bin, durchaus vorhanden, aber da ich schon so lange von dort fort bin ... keine Heimat. Freiburg im Breisgau, wo ich studiert habe, eine meiner Traumstädte, und ja, da würde ich gerne ... aber da war ich insgesamt auch nur 6 Jahre, kenne kaum noch jemanden, der dort wohnt ... keine aktuelle Heimat, wenn auch mit Potential, Heimat zu werden, wenn ich die Gelegenheit hätte, vielleicht. Santa Barbara in Kalifornien, wo ich nur kurz war, nie wirklich dort auf Dauer angelegt, aber wo es mir von der Umgebung her sehr gut gefallen hat - vielleicht mit Potential, aber ich werde nie genug Geld haben, um dort angemessen leben zu können, und kann mir überhaupt eine Stadt in den USA zur Heimat werden? Ich glaube nicht. Neuseeland, mein Traum-Reiseland, da habe ich nie gelebt, nur mit dem Fahrrad und zu Fuß die Landschaften erkundet, mich immer sehr wohl gefühlt, aber ob es Heimat werden könnte, wenn ich dort leben dürfte, wer weiß.
Bayern,


wo ich seit über 20 Jahren lebe, an verschiedenen Orten, und mich nie wirklich zu Hause gefühlt habe, aber wo so viel über 'unsere Heimat' geredet wird, z.B. 'die neue Straßentrasse darf unsere Heimat nicht zerschneiden',

aber solche Kunstwerke den Verkehrskreisel zieren...


Trachten (mehr oder weniger traditionell) als Inbegriff der Heimatverbundenheit gelten (ich habe und trage keine, habe allerdings schon gehört, dass das auf nie direkt mir ins Gesicht geäußerte Kritik trifft) ... und wo ich mich, als eine Art Auslandsdeutsche mit Migrationshintergrund immer noch als Außenseiterin fühle... aber ich bin Mutter eines 'bayerischen Buam' (für Nicht-Bayern: eines bayerischen Buben).

Wie brandaktuell das Thema ist, erkennt man an der Tatsache, dass es gerade ein Spiegel-Sonderheft gibt in dem verschiedene Artikel sich der Problematik anzunähern versuchen.


Meine Auseinandersetzung mit dem Thema lief dann, in Rückgriff auf mein stark text-orientiertes Leben, erstmal über Wörterbücher ab. Ich habe Definitionen aus einem etymologischen Wörterbuch genommen, für Heimat, Heim, daheim, und diese vergrößert, angeordnet, und dann mit der Maschine nachgestickt.




noch vor Auflösen des Stickvlieses...

Und weil dann die Zeit nicht wirklich gereicht hat, es aber auch gar nicht gut ausgesehen hätte, ist dies kein gequilteter Quilt. Ein Foto vom fertigen Teil habe ich allerdings auch nicht, das muss man sich in der Ausstellung selbst anschauen.
Ich habe sie auch noch nicht gesehen, aber ich hoffe, dass ich noch dazu komme (bis 27. Januar! zu Ladenzeiten geöffnet). Sonst gibt es auf den Patchworktagen in Celle noch eine weitere Gelegenheit.

Montag, 8. Januar 2018

Er ist wieder da...

Im Dezember hatte ich berichtet, dass ich einen Longarm-Auftrag für einen großen Quilt zurückgegeben hatte, weil er mir 'zu heiß' war. Zu viele potentiell auftauchende Schwierigkeiten, möglicherweise Falten, die nur mühsam zu vermeiden gewesen wären.
Aber ein paar Tage später war das Top mitsamt der Rückseite wieder da. Die Auftraggeberin hatte etwas nachgebessert und wollte, dass ich mich trotz meiner Bedenken an die Arbeit mache.
Das habe ich nun, nach unserem Urlaub getan.

Ich hatte immer noch Bedenken, weil alles etwas verzogen war.




Aber mit Geduld und Spucke... hat dann alles ganz gut geklappt.




Ich bin zufrieden damit, wie es geworden ist. Noch ein paar Fäden vernähen, dann kann das Top wieder auf die Reise gehen.

Mittwoch, 3. Januar 2018

Abschied von der Weide

Im Dezember haben wir nicht ganz so viel Joghurt gegessen, so dass ich nicht so oft zumMilchholen gefahren bin. Und beim letzten Besuch habe ich glatt vergessen, ein Foto vom Baum zu machen, um das Jahresprojekt abzuschließen. So ist das letzte Foto, das ich im Rahmen dieses Projektes gemacht habe, ein wenig spektakuläres, mit bisschen Schneegriesel drauf, aber nicht wirklich beeindruckend.


Wie schon einmal erwähnt - so richtig ans Herz gewachsen ist sie mir nicht, die Weide. Jedenfalls bei weitem nicht so, wie damals die Eiche, und auch die Linde hatte eine andere Bedeutung. Ich vermute, dass das einerseits mit der Frequenz der Besuche zusammenhängt - wenn man jeden Tag überlegt, wann ist ein guter Moment, dass ich da mal vorbeischauen kann, dann erhält das alles eine andere Dimension. Einmal pro Woche beim Milchholen hat da eine ganz andere Gewichtung. Und da ich dann doch meistens mit dem Fahrrad gefahren bin, habe ich den Baum eigentlich nie aus der Perspektive fotografiert, wo er wenigsten so aussieht, als ob er einsam stünde.

Um Weihnachten rum bin ich dann nochmal spazieren gegangen, bei Sonnenschein, und von der Ferne an den Doppelbäumen vorbeigekommen, die ich schon früher einmal in Erwägung gezogen hatte, Objekt eines Besuchsbaumprojektes zu werden. Momentan überlege ich noch, wir sind auch gerade nicht zu Hause. Aber vielleicht ...

Hier sind sie kaum zu erkennen, ....

... hier schon etwas herangezoomt.

Als ich heute von unserem Urlaubsort in die nächstgelegene kleine Stadt gefahren bin, bin ich an einigen Bäumen vorbeigekommen, die mir sehr gut gefallen haben und ein wundervolles Besuchsbaumobjekt gewesen wären. Aber leider leben wir ja nicht in Oberbayern.
Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern ein gutes Neues Jahr.

Freitag, 29. Dezember 2017

Sollten wir das wirklich nicht schaffen?



Erst am zweiten Weihnachtstag habe ich mich hingesetzt und meinen jährlichen englischsprachigen Rundbrief an die Freunde im Ausland geschrieben. In den Jahren zuvor habe ich es wenigstens immer noch rechtzeitig vor dem oder wenigstens direkt am Heiligen Abend geschafft… Beim Schreiben ist mir nochmal ganz deutlich klar geworden, was ich ja eigentlich ganz genau wusste: dieses vergangene Jahr - eigentlich seit dem September 2016 - hat es für mich praktisch nur ein Thema gegeben; Die Ungerechtigkeit der verweigerten Arbeitserlaubnisse für Geduldete aus ‚sicheren Herkunftsländern‘.
Ich weiß noch genau, wie ich mich zu Anfang meines Engagements für Flüchtlinge, als es darum ging, Hauspatenschaften für die verschiedenen Unterkünfte bei uns in der Stadt zu übernehmen, ganz bewusst gegen die Hauspatenschaft für das Haus mit den Afrikanern entschieden habe, weil ich mir damals dachte, die haben eh keine Chance, dass etwas klappt, das tue ich mir nicht an. Damals waren Syrer, die über ein anderes europäisches Land eingereist waren, wegen der Dublin-Regelungen noch von Abschiebungen nach Ungarn und Bulgarien bedroht, bis im September 2015 der große Marsch ankam und für Syrer auf einmal keine Dublin-III-Regelung mehr galt. Da gab es auch genug zu tun.  Wie es dann weiterging, will ich hier nicht mehr in allen Einzelheiten darstellen, zwischenzeitlich hatte sich mein Engagement (außerhalb der Schule) weitgehend auf die Senegalesen konzentriert, das wird sich jetzt wieder etwas ändern - aber es ist im vergangenen Jahr auf jeden Fall für mich das alles beherrschende Thema geblieben. Zum Leidwesen und Missvergnügen meines Mannes, der der Meinung ist, dass ich mich auch mal um andere Belange kümmern sollte, weil ich alleine die Politik der hiesigen Staatsregierung nicht ändern könne, und wir seien doch immerhin noch ein Rechtsstaat. 

Das Vertrauen in die Rechtsstaatlichkeit dieses "Freistaates" habe ich längst verloren, und „Rechtsstaatlichkeit“ scheint mir kein ausreichendes Kriterium für ein richtiges Handeln, das für mich in erster Linie an Menschlichkeit, Gerechtigkeit und sinnvollem Handeln in praktikablem Rahmen ausgerichtet sein sollte.
Gestern also nochmal die Bewusstwerdung darüber, wie sehr ich mich in dieses Thema eingebracht habe - und ich brauche mir nichts vorzumachen, das wird sich in nächster Zeit nicht sonderlich ändern. Auch wenn die Schwerpunktlage vielleicht ein bisschen verschoben wird.
Aber ich frage mich, warum dieses Thema der Flüchtlingsfrage in Deutschland tatsächlich so groß ist. Für mich persönlich frage ich mich nicht, ich habe wunderbare Menschen kennengelernt, und denen zu helfen, sich im ‚Rechtsstaat‘ zurechtzufinden und ihnen zu ihrem Recht zu verhelfen ist keine Frage. Aber ich halte die Flüchtlingsfrage tatsächlich für eines der kleinsten Probleme, die Deutschland zur Zeit hat. Allerdings wird es medial und politisch so dermaßen aufgebauscht, dass eine völlige Verzerrung stattfindet. Die Kämpfe um Obergrenze und Familiennachzug wiederum sind dann nur kleinere Teilbereiche innerhalb des ganzen Themenkomplexes - aber so wie die bayerische Staatspartei sich aufführt, sollte man meinen, die Welt gehe unter, wenn sie nicht ihre Positionen durchfechten kann.
Vor paar Tagen fand ich im Netz diesen Artikel über dieÜberhandnahme der deutschen Unzufriedenheit - es geht uns wirtschaftlich so gut wie nie, und doch sind wir so verunsichert, unzufrieden und ständig wird dieses Streben nach Abschottung stärker. Wie kann das sein?

Hier fordern die Kommunen, dassFlüchtlinge schneller in Arbeitsverhältnisse gebracht werden. Ich nehme an, hier wird vor allem auf anerkannte Flüchtlinge Bezug genommen, und ich sehe das genauso. Einige der schnell und auf 3 Jahre anerkannten Syrer machen hier bei uns in der Stadt auf Hartz IV einfach (relativ gemütlich) Urlaub oder sind der Meinung, unter einer Arbeitsstelle als Chefinformatiker bei BMW ist jede Arbeit für sie eine Zumutung. Und Deutsch lernen ist unbequem.

Andererseits hört man dann Radiosendungen wie diese (alsPodcast verfügbar ) , wo man sich dann fragt, nach welchen rassistischen Motiven und Eigeninteressen die EU eigentlich verfährt. Globalisierte Wirtschaft, ja, aber globale Migrationsbewegungen nein. Afrikanische Staaten, die innerhalb des Kontinents darum bemüht sind, Freizügigkeit für die Bürger zu etablieren, werden mit der Geldknute gezwungen, verschärfte Grenz- und Sicherheitssysteme aufzuziehen, die die Flüchtlinge innerhalb Afrikas auf dem Weg nach Norden aufhalten sollen. Diese Grenzzäune wiederum werden von europäischen Firmen geliefert, die sich daran eine goldene Nase verdienen. Die Flüchtlings’krise‘ also als großes Wirtschaftsankurbelungsprogramm für europäische Firmen…?
Ist das tatsächlich die Staatengemeinschaft, die vor einigen Jahren den Friedensnobelpreis gewonnen hat für ihr Eintreten in der Flüchtlingsfrage? Aber der Nobelpreis wird ja auch von einer europäischen Instanz verliehen. Wir haben schon eine besondere Sichtweise auf die und Umgehensweise mit der Welt.

Man kann nur sagen - wie verbohrt sind wir eigentlich? Und warum sollte es eigentlich nicht zu schaffen sein, ein paar afrikanische und syrische Flüchtlinge zu integrieren, wenn sie das wollen? Wer arbeiten will, soll arbeiten dürfen. Damit ist Afrika mehr geholfen, als wenn die europäischen Grenzen weiter nach außen verlagert werden. Denn was für ein Quatsch es ist, wenn deutsche Grenzen am Hindukusch verteidigt werden, haben wir ja schon einmal demonstriert bekommen. Dadurch werden nämlich neue Flüchtlingsströme ausgelöst…

Das Thema des vergangenen Jahres wird mich also nicht verlassen. Wenn ich es auch nicht zum Hauptthema dieses Blogs machen will - es wird sicher immer wieder mal auftauchen. Und es drängt weiter in meine Quilts. Gerade bin ich dabei, den Quilt fertigzustellen, den ich bei der Triennale einreichen will.  Er gehört zur Serie text messages. Hier nur ein ganz kleines Detail:


Und er ist bestimmt nicht der letzte, der dieses Thema aufgreift.