Samstag, 13. Januar 2018

Brandaktuell: "Dahoam" bei quilt et textilkunst München

Am 8. Januar wurde in der Galerie bei quilt et textilkunst in München die Ausstellung 'dahoam' eröffnet. Es waren Mitglieder der Patchworkgilde Deutschland e.V. aus der Region 'Niederbayern, Oberbayern' eingeladen gewesen, ihre textile Interpretation dieses Begriffes einzureichen.
Ich muss ehrlich gestehen, dass ich, als die Regionalvertreterin Marion Caspers mich fragte, ob ich mitmachen würde, erstmal nur halb begeistert war. Noch ein Projekt - für die Patchworktage hatte ich ja schon einen Quilt für 'Yes, we can quilt' gemacht, außerdem immer so viel um die Ohren, und das war nun so gar nicht mein Thema, auf Anhieb jedenfalls.

Dann habe ich mich allerdings doch ernsthafter mit Überlegungen zu dem Thema 'wie kann ich mein gespaltenes Verhältnis zu dem Begriff 'Heimat' textil umsetzen' beschäftigt. Mein Verhältnis dazu ist gespalten, weil ich selbst, für mich, nicht das Gefühl habe, irgendwo eine echte Heimat zu haben. Zwar ist ein Vertraut-sein in der Umgebung, wo ich groß geworden bin, durchaus vorhanden, aber da ich schon so lange von dort fort bin ... keine Heimat. Freiburg im Breisgau, wo ich studiert habe, eine meiner Traumstädte, und ja, da würde ich gerne ... aber da war ich insgesamt auch nur 6 Jahre, kenne kaum noch jemanden, der dort wohnt ... keine aktuelle Heimat, wenn auch mit Potential, Heimat zu werden, wenn ich die Gelegenheit hätte, vielleicht. Santa Barbara in Kalifornien, wo ich nur kurz war, nie wirklich dort auf Dauer angelegt, aber wo es mir von der Umgebung her sehr gut gefallen hat - vielleicht mit Potential, aber ich werde nie genug Geld haben, um dort angemessen leben zu können, und kann mir überhaupt eine Stadt in den USA zur Heimat werden? Ich glaube nicht. Neuseeland, mein Traum-Reiseland, da habe ich nie gelebt, nur mit dem Fahrrad und zu Fuß die Landschaften erkundet, mich immer sehr wohl gefühlt, aber ob es Heimat werden könnte, wenn ich dort leben dürfte, wer weiß.
Bayern,


wo ich seit über 20 Jahren lebe, an verschiedenen Orten, und mich nie wirklich zu Hause gefühlt habe, aber wo so viel über 'unsere Heimat' geredet wird, z.B. 'die neue Straßentrasse darf unsere Heimat nicht zerschneiden',

aber solche Kunstwerke den Verkehrskreisel zieren...


Trachten (mehr oder weniger traditionell) als Inbegriff der Heimatverbundenheit gelten (ich habe und trage keine, habe allerdings schon gehört, dass das auf nie direkt mir ins Gesicht geäußerte Kritik trifft) ... und wo ich mich, als eine Art Auslandsdeutsche mit Migrationshintergrund immer noch als Außenseiterin fühle... aber ich bin Mutter eines 'bayerischen Buam' (für Nicht-Bayern: eines bayerischen Buben).

Wie brandaktuell das Thema ist, erkennt man an der Tatsache, dass es gerade ein Spiegel-Sonderheft gibt in dem verschiedene Artikel sich der Problematik anzunähern versuchen.


Meine Auseinandersetzung mit dem Thema lief dann, in Rückgriff auf mein stark text-orientiertes Leben, erstmal über Wörterbücher ab. Ich habe Definitionen aus einem etymologischen Wörterbuch genommen, für Heimat, Heim, daheim, und diese vergrößert, angeordnet, und dann mit der Maschine nachgestickt.




noch vor Auflösen des Stickvlieses...

Und weil dann die Zeit nicht wirklich gereicht hat, es aber auch gar nicht gut ausgesehen hätte, ist dies kein gequilteter Quilt. Ein Foto vom fertigen Teil habe ich allerdings auch nicht, das muss man sich in der Ausstellung selbst anschauen.
Ich habe sie auch noch nicht gesehen, aber ich hoffe, dass ich noch dazu komme (bis 27. Januar! zu Ladenzeiten geöffnet). Sonst gibt es auf den Patchworktagen in Celle noch eine weitere Gelegenheit.

Montag, 8. Januar 2018

Er ist wieder da...

Im Dezember hatte ich berichtet, dass ich einen Longarm-Auftrag für einen großen Quilt zurückgegeben hatte, weil er mir 'zu heiß' war. Zu viele potentiell auftauchende Schwierigkeiten, möglicherweise Falten, die nur mühsam zu vermeiden gewesen wären.
Aber ein paar Tage später war das Top mitsamt der Rückseite wieder da. Die Auftraggeberin hatte etwas nachgebessert und wollte, dass ich mich trotz meiner Bedenken an die Arbeit mache.
Das habe ich nun, nach unserem Urlaub getan.

Ich hatte immer noch Bedenken, weil alles etwas verzogen war.




Aber mit Geduld und Spucke... hat dann alles ganz gut geklappt.




Ich bin zufrieden damit, wie es geworden ist. Noch ein paar Fäden vernähen, dann kann das Top wieder auf die Reise gehen.

Mittwoch, 3. Januar 2018

Abschied von der Weide

Im Dezember haben wir nicht ganz so viel Joghurt gegessen, so dass ich nicht so oft zumMilchholen gefahren bin. Und beim letzten Besuch habe ich glatt vergessen, ein Foto vom Baum zu machen, um das Jahresprojekt abzuschließen. So ist das letzte Foto, das ich im Rahmen dieses Projektes gemacht habe, ein wenig spektakuläres, mit bisschen Schneegriesel drauf, aber nicht wirklich beeindruckend.


Wie schon einmal erwähnt - so richtig ans Herz gewachsen ist sie mir nicht, die Weide. Jedenfalls bei weitem nicht so, wie damals die Eiche, und auch die Linde hatte eine andere Bedeutung. Ich vermute, dass das einerseits mit der Frequenz der Besuche zusammenhängt - wenn man jeden Tag überlegt, wann ist ein guter Moment, dass ich da mal vorbeischauen kann, dann erhält das alles eine andere Dimension. Einmal pro Woche beim Milchholen hat da eine ganz andere Gewichtung. Und da ich dann doch meistens mit dem Fahrrad gefahren bin, habe ich den Baum eigentlich nie aus der Perspektive fotografiert, wo er wenigsten so aussieht, als ob er einsam stünde.

Um Weihnachten rum bin ich dann nochmal spazieren gegangen, bei Sonnenschein, und von der Ferne an den Doppelbäumen vorbeigekommen, die ich schon früher einmal in Erwägung gezogen hatte, Objekt eines Besuchsbaumprojektes zu werden. Momentan überlege ich noch, wir sind auch gerade nicht zu Hause. Aber vielleicht ...

Hier sind sie kaum zu erkennen, ....

... hier schon etwas herangezoomt.

Als ich heute von unserem Urlaubsort in die nächstgelegene kleine Stadt gefahren bin, bin ich an einigen Bäumen vorbeigekommen, die mir sehr gut gefallen haben und ein wundervolles Besuchsbaumobjekt gewesen wären. Aber leider leben wir ja nicht in Oberbayern.
Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern ein gutes Neues Jahr.

Freitag, 29. Dezember 2017

Sollten wir das wirklich nicht schaffen?



Erst am zweiten Weihnachtstag habe ich mich hingesetzt und meinen jährlichen englischsprachigen Rundbrief an die Freunde im Ausland geschrieben. In den Jahren zuvor habe ich es wenigstens immer noch rechtzeitig vor dem oder wenigstens direkt am Heiligen Abend geschafft… Beim Schreiben ist mir nochmal ganz deutlich klar geworden, was ich ja eigentlich ganz genau wusste: dieses vergangene Jahr - eigentlich seit dem September 2016 - hat es für mich praktisch nur ein Thema gegeben; Die Ungerechtigkeit der verweigerten Arbeitserlaubnisse für Geduldete aus ‚sicheren Herkunftsländern‘.
Ich weiß noch genau, wie ich mich zu Anfang meines Engagements für Flüchtlinge, als es darum ging, Hauspatenschaften für die verschiedenen Unterkünfte bei uns in der Stadt zu übernehmen, ganz bewusst gegen die Hauspatenschaft für das Haus mit den Afrikanern entschieden habe, weil ich mir damals dachte, die haben eh keine Chance, dass etwas klappt, das tue ich mir nicht an. Damals waren Syrer, die über ein anderes europäisches Land eingereist waren, wegen der Dublin-Regelungen noch von Abschiebungen nach Ungarn und Bulgarien bedroht, bis im September 2015 der große Marsch ankam und für Syrer auf einmal keine Dublin-III-Regelung mehr galt. Da gab es auch genug zu tun.  Wie es dann weiterging, will ich hier nicht mehr in allen Einzelheiten darstellen, zwischenzeitlich hatte sich mein Engagement (außerhalb der Schule) weitgehend auf die Senegalesen konzentriert, das wird sich jetzt wieder etwas ändern - aber es ist im vergangenen Jahr auf jeden Fall für mich das alles beherrschende Thema geblieben. Zum Leidwesen und Missvergnügen meines Mannes, der der Meinung ist, dass ich mich auch mal um andere Belange kümmern sollte, weil ich alleine die Politik der hiesigen Staatsregierung nicht ändern könne, und wir seien doch immerhin noch ein Rechtsstaat. 

Das Vertrauen in die Rechtsstaatlichkeit dieses "Freistaates" habe ich längst verloren, und „Rechtsstaatlichkeit“ scheint mir kein ausreichendes Kriterium für ein richtiges Handeln, das für mich in erster Linie an Menschlichkeit, Gerechtigkeit und sinnvollem Handeln in praktikablem Rahmen ausgerichtet sein sollte.
Gestern also nochmal die Bewusstwerdung darüber, wie sehr ich mich in dieses Thema eingebracht habe - und ich brauche mir nichts vorzumachen, das wird sich in nächster Zeit nicht sonderlich ändern. Auch wenn die Schwerpunktlage vielleicht ein bisschen verschoben wird.
Aber ich frage mich, warum dieses Thema der Flüchtlingsfrage in Deutschland tatsächlich so groß ist. Für mich persönlich frage ich mich nicht, ich habe wunderbare Menschen kennengelernt, und denen zu helfen, sich im ‚Rechtsstaat‘ zurechtzufinden und ihnen zu ihrem Recht zu verhelfen ist keine Frage. Aber ich halte die Flüchtlingsfrage tatsächlich für eines der kleinsten Probleme, die Deutschland zur Zeit hat. Allerdings wird es medial und politisch so dermaßen aufgebauscht, dass eine völlige Verzerrung stattfindet. Die Kämpfe um Obergrenze und Familiennachzug wiederum sind dann nur kleinere Teilbereiche innerhalb des ganzen Themenkomplexes - aber so wie die bayerische Staatspartei sich aufführt, sollte man meinen, die Welt gehe unter, wenn sie nicht ihre Positionen durchfechten kann.
Vor paar Tagen fand ich im Netz diesen Artikel über dieÜberhandnahme der deutschen Unzufriedenheit - es geht uns wirtschaftlich so gut wie nie, und doch sind wir so verunsichert, unzufrieden und ständig wird dieses Streben nach Abschottung stärker. Wie kann das sein?

Hier fordern die Kommunen, dassFlüchtlinge schneller in Arbeitsverhältnisse gebracht werden. Ich nehme an, hier wird vor allem auf anerkannte Flüchtlinge Bezug genommen, und ich sehe das genauso. Einige der schnell und auf 3 Jahre anerkannten Syrer machen hier bei uns in der Stadt auf Hartz IV einfach (relativ gemütlich) Urlaub oder sind der Meinung, unter einer Arbeitsstelle als Chefinformatiker bei BMW ist jede Arbeit für sie eine Zumutung. Und Deutsch lernen ist unbequem.

Andererseits hört man dann Radiosendungen wie diese (alsPodcast verfügbar ) , wo man sich dann fragt, nach welchen rassistischen Motiven und Eigeninteressen die EU eigentlich verfährt. Globalisierte Wirtschaft, ja, aber globale Migrationsbewegungen nein. Afrikanische Staaten, die innerhalb des Kontinents darum bemüht sind, Freizügigkeit für die Bürger zu etablieren, werden mit der Geldknute gezwungen, verschärfte Grenz- und Sicherheitssysteme aufzuziehen, die die Flüchtlinge innerhalb Afrikas auf dem Weg nach Norden aufhalten sollen. Diese Grenzzäune wiederum werden von europäischen Firmen geliefert, die sich daran eine goldene Nase verdienen. Die Flüchtlings’krise‘ also als großes Wirtschaftsankurbelungsprogramm für europäische Firmen…?
Ist das tatsächlich die Staatengemeinschaft, die vor einigen Jahren den Friedensnobelpreis gewonnen hat für ihr Eintreten in der Flüchtlingsfrage? Aber der Nobelpreis wird ja auch von einer europäischen Instanz verliehen. Wir haben schon eine besondere Sichtweise auf die und Umgehensweise mit der Welt.

Man kann nur sagen - wie verbohrt sind wir eigentlich? Und warum sollte es eigentlich nicht zu schaffen sein, ein paar afrikanische und syrische Flüchtlinge zu integrieren, wenn sie das wollen? Wer arbeiten will, soll arbeiten dürfen. Damit ist Afrika mehr geholfen, als wenn die europäischen Grenzen weiter nach außen verlagert werden. Denn was für ein Quatsch es ist, wenn deutsche Grenzen am Hindukusch verteidigt werden, haben wir ja schon einmal demonstriert bekommen. Dadurch werden nämlich neue Flüchtlingsströme ausgelöst…

Das Thema des vergangenen Jahres wird mich also nicht verlassen. Wenn ich es auch nicht zum Hauptthema dieses Blogs machen will - es wird sicher immer wieder mal auftauchen. Und es drängt weiter in meine Quilts. Gerade bin ich dabei, den Quilt fertigzustellen, den ich bei der Triennale einreichen will.  Er gehört zur Serie text messages. Hier nur ein ganz kleines Detail:


Und er ist bestimmt nicht der letzte, der dieses Thema aufgreift.

Mittwoch, 27. Dezember 2017

Baby-Jane - die ganze Wahrheit...



Im letzten Heft dder Mitgliederzeitschrift der Patchworkgilde steht eine kurze Beschreibung meiner Fortschritte im "Baby Jane"-Projekt, an dem ich seit fast zwei Jahren beteiligt bin. (Und das langsam mal beendet werden sollte...). Ursprünglich sollte der Artikel länger sein, aber aus Platzgründen musste ich ihn kürzen. In Absprache mit dem Chef-Redakteur der Zeitschrift veröffentliche ich hier nun die ungekürzte Version.

Sag‘ Niemals Nie - oder: Die Befreiung durch die Quiltpolizei

Ich habe gelogen. Als ich die Zeile des Beitrags für das letzte Heft tippte, „Es ist noch nichts entschieden!“, da war eigentlich schon alles entschieden. Mein Baby würde ohne Tortenstücke auskommen müssen. Aber schließlich muss bei einer Fortsetzungsgeschichte auch noch ein bisschen Fadenspannung mit einfließen. Inzwischen ist die Baby-Jane-Gruppe auf Facebook bei den Tortenstücken angekommen - und dadurch, dass ich die nicht mitmache, ist mein Rückstand deutlich geschrumpft. (Digital könnte hier jetzt ein Smiley-Emoticon stehen.)
Dann kam der September, und ich bekam von weitem mit, dass in der Facebook-Gilde-Gruppe (nicht die mit dem Baby Jane) eine intensive Diskussion auch darüber tobte, was denn jetzt eigentlich traditionell und was modern sei. Siehe den Kommentar von Barbara Lange hier im Heft. Und obwohl ich mich in die Diskussion nicht eingeklinkt habe, habe ich mitbekommen, dass meine Art, mit dem Baby-Jane-Projekt umzugehen, unter manchen Traditionalisten durchaus auf heftige Kritik trifft. ‚Darf‘ man das, so ein traditionelles Projekt mit handgefärbten Stoffen nähen? ‚Darf‘ man das, sich die Freiheit nehmen, einen Block, den man selbst nicht so schön findet, oder der in einer Technik gemacht wurde, die einem nicht so liegt, durch einen anderen zu ersetzen?
Bei meinen bisherigen Aktivitäten im Baby-Jane-Bereich ist mir schon mehrfach aufgefallen, dass die Blöcke, die fotografisch abgebildet sind, nicht exakt übereinstimmen mit dem, was Brenda Papadakis daraus gemacht hat. Was bedeutet das nun - an welcher ‚Vorlage‘ muss ich mich, wenn ich so einen Block richtig traditionell nachnähen will, orientieren? Eher an der von Jane, oder eher an der von Brenda? ‚Darf‘ Brenda das, die Ur-Blöcke des Original-Quilts aus welchen Gründen auch immer minimal verändern? Die Blöcke von Jane Sickels sind in vielen Fällen so anders als alles, was sonst an Blöcken aus der Zeit überliefert ist, dass man sich auch fragen muss, ob Jane sich überhaupt an die Spielregeln der Traditionalisten gehalten hat. (Damalige, oder heutige, das ist eigentlich egal.) Ob ihr irgendjemand gesagt hat, dass man das so nicht machen darf? Und wenn man sie jetzt fragen würde, wie sie dazu steht, dass jemand ihre Muster nachnäht, aber eigene Abweichungen reinbringt - wie würde sie wohl antworten? Würde sie erwarten, dass man sich sklavisch an ihre Vorlage hält, oder würde sie es begrüßen, wenn jemand mit Spaß und mehr oder weniger Elan bei der Sache ist und seine eigene Note ins Spiel bringt?
Zugegeben, in den letzten Wochen seit dem vorigen Heft habe ich nur wenige Blöcke genäht. Und mich wieder nicht sklavisch an die Vorlagen gehalten. Zum Beispiel Block B10, da fand ich es geschickter, einen ‚normalen‘ Nine-Patch zu machen, als die merkwürdig verschobenen Maße, die im Buch aufgezeichnet sind. 

B 10 im Buch - der mittlere Block ist in seinen Maßen unpraktisch...

B 10 in meiner Variation

Bei der Herstellung eines Nine-Patches mit rationellen Methoden allerdings entstehen zusätzliche Exemplare. Die schmeiße ich doch nicht weg! Was kann man also damit anstellen… ? Ich nähte einen kleinen Block zusammen, der zwar - meiner Meinung nach - nach allen Regeln der traditionellen Blocks aufgebaut und genäht ist. Aber vermutlich würde er vor den kritischen Augen der Quiltpolizei nicht bestehen können. Trotzdem kommt er in meinen Stapel. 

Verwendungsmöglichkeiten für überschüssige Nine-Patches

der fertig gestellte Extra-Block

Bei einem schon früher hergestellten Block sind vier diagonal geteilte Quadrate übrig geblieben, die mir irgendwann mal aus dem Buch entgegenpurzeln, weil ich auch die damals nicht weggeschmissen habe. Auch daraus kann ich einen Block nähen, der für mich sehr traditionell ist, aber, s.o. … 

ein für mich traditioneller Block, aber nicht Teil des Dear-Jane-Schemas...

Und wie sieht es aus damit, dass ich ja schon vor längerer Zeit einen Block ersetzt habe durch eine Mini-Version des „Underground Railroad“-Blocks? Das ist für mich einer der traditionellsten Blöcke überhaupt, kommt aber in Janes Original „Dear Jane“ nicht vor. Entweiht er jetzt meinen Baby Jane… oder ist der sowieso nicht mehr zu retten? Soll ich ihn vielleicht lieber woanders unterbringen?

Schon fast viele  der Mini-Jakobsleiter,
ein weiteres Nebeneffekt-Projekt, das noch
in der Entstehung begriffen ist, aber noch
eine klare Farbkonzeption braucht...


Dann noch Block B 11 - im Buch mit kleiner Rundung. Da habe ich gerade keine Lust drauf. Meine Version ist vereinfacht. Aber der Charakter des Blocks geht nicht völlig verloren.

B 11 im Buch

B 11 von mir

Ich habe dieses Projekt des Baby Jane ja nicht für die Quiltpolizei angefangen, sondern um mir eine eigene Meinung zu bilden. Und um am Schluss einen Quilt zu haben, der mir, und ganz alleine nur mir, gefällt. Dazu gehört, dass ich mir erlaube, Blöcke, die eine Technik benutzen, die mir nicht sonderlich behagt, auszulassen oder zu verändern. Und dass ich mit den Stoffen und in den Farben arbeite, die mir persönlich gefallen. Und in meinen Augen ist es trotzdem ein traditioneller Quilt, aus heutiger, meiner persönlichen Sicht genäht.
Als Selbstmotivation habe ich nun alle von mir schon fertig genähten Blöcke an die Wand gepinnt. Es sind über 100, ich bin also fast zwei Drittel des Weges gegangen, jedenfalls des Weges der Innenblöcke. 


Und ich staune - auch ohne Zwischenstreifen und völlig planlos aneinander gereiht sieht das alles, jedenfalls in meinen Augen, gar nicht schlecht aus. Sogar ganz gut. Farbenfroh, wie ich meine traditionellen Quilts mag. Ich nähe nämlich immer mal wieder einen traditionellen Quilt. Allerdings sind das Gebrauchsquilts, die ich deshalb nicht in Ausstellungen zeige. Ich als Quilterin möchte mich also auch gar nicht in eine der Schubladen ‚traditionell‘ oder ‚modern‘ fest einordnen lassen, selbst wenn ich für meine modernen Quilts bekannt bin. Vermutlich stehe ich auf Barbara Langes Schachfeld genau in der Mitte (wenn man mal davon absieht, dass es auf dem Schachfeld kein exaktes Mittelquadrat gibt). Das ist Einstellungssache, und die Diskussionen auf Facebook, die ich erst jetzt, kurz vor Schreiben der Kolumne teilweise nachgelesen habe, haben für mich eine durchaus befreiende Wirkung.

Meine letzte Note in Handarbeiten in der Schule (6. Klasse, bei Frau Winterhalder) war eine 3, weil ich zwar bei technischen Fähigkeiten und Kenntnissen Spitze war, mir aber immer zu viel (‚künstlerische‘?) Freiheit in der Umsetzung der Aufgabenstellungen genommen habe. Was würde Frau Winterhalder zu meinem Baby Jane sagen? Ob ich wohl eine 3 bekommen würde?
Ich mache weiter. Ich gehe jetzt die Reihen im Diagramm des Buches durch und fülle auf, was ich noch nicht gemacht habe. Oder lasse aus, oder ersetze. Ob es 169 Blöcke werden, kann ich noch nicht sagen. Vielleicht höre ich auch nach 144 auf, dann wären es 12 auf 12. Ob ich das darf? 


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So lautet der ursprüngliche Text. Aktueller Stand heute: 126 Blöcke.